09. August 2022

Mittelstands-Einkaufspreis-Index (MEPI) 08|22

Autor

Georgiy Michailov
Janis Steinfort
Stefan Häuser
Simon Wagner

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Steigende Rohstoffpreise, knappe Ressourcen und zerrüttete Lieferketten. Die deutsche Wirtschaft hat derzeit vielerorts mit kleinen und großen Herausforderungen zu kämpfen. Aber wie hoch genau ist das Risiko der aktuellen Rohstoffpreisentwicklung und wann wird es existenzbedrohend? 
Ein Blick auf output-orientierte Industrie-Indikatoren wie Erzeugerpreisindex oder BIP hilft nicht wirklich, weil sie die spezifischen Anforderungen des deutschen Mittelstands nicht berücksichtigen. 
Aus diesem Grund haben wir den input-orientierten Mittelstands-Einkaufspreis-Index (kurz MEPI) entwickelt.
Mithilfe eines repräsentativen Einkaufskorbs aus den typischen, für den Mittelstand bedeutsamen Rohstoffen ist der MEPI ein zuverlässiger Schätzer und Indikator für den externen Druck, der auf die Geschäftsmodelle unseres Wirtschaft-Rückgrats ausgeübt wird. Der MEPI steht sinnbildlich für den „Mittelstands-Warenkorb”. Er hilft bei der Risikofrüherkennung und Einschätzung der Marktvolatilität.

„Der Mittelstands-Einkaufspreis-Index (MEPI) ist responsiver als herkömmliche Indikatoren und bietet damit ein bisher nicht vorhandenes Steuerungselement für das Management.“

Der deutsche Mittelstand wird derzeit überproportional stark von der Rohstoffknappheit und den damit einhergehenden Preiserhöhungen getroffen.

Entwicklung des MEPI bis Mitte 2022

Erläuterungen

  • Der MEPI entwickelt sich zuletzt erstmalig 2022 rückläufig.
  • Im bisherigen Jahresverlauf trieben Erholungseffekte aus den beiden Covid-19-Jahren, die Supply Chain Krise und der Krieg in der Ukraine den MEPI zum historischen Höchststand im Mai 2022.
  • Im Laufe des Mai setzten dann erstmalig Korrekturbewegungen im Umfeld der Metallpreise und landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Vorprodukte ein. Energie- und Transportkosten bleiben weiterhin auf historischen Höchstständen.
  • Negative Währungskurseffekte befeuern den MEPI ebenfalls im Jahresverlauf. Zuletzt war eine leichte Entspannung zu verzeichnen, dennoch bleibt der schwache Euro einer der Treiber des inputorientierten MEPI.

Nach historischen Höchstständen im Laufe des Jahres ist seit Mai eine erste Korrekturbewegung zu beobachten.

Treiber & Highlights des MEPI in den vergangenen Wochen

  • Metalle wurden im Juli gegenüber Vormonat günstiger. Dies gilt weitgehend für alle Rohstoffe dieser Kategorie.
    Am stärksten fiel der Rückgang jedoch bei Roheisen und Stahl aus, welche im Juli um 14% gegenüber Vormonat günstiger wurden.
  • Auch der Index für landwirtschaftliche Erzeugnisse ist im Juli gesunken. Der Rückgang ist hauptsächlich auf eine Entspannung an den Getreidemärkten zurückzuführen: Während der Getreide-Index seit Jahresbeginn um 30% gestiegen ist, kam es im Juli zu einem Rückgang von 9%.
  • Per Ende Juli war keine Erholung der Kategorie „fossile Brennstoffe” zu beobachten. Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Bestandteile fällt aber auf, dass die Preis-Rallye zuletzt nahezu ausschließlich auf erneute Preisanstiege aus dem Erdgasbereich zurückzuführen ist (+33% im Juli gegenüber Vormonat). Rohöl sank im Vergleich im Juli um 7% gegenüber Vormonat.
  • Der Euro hat im abgelaufenen Monat erneut an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Seit Jahresbeginn ist das Verhältnis bereits von 1,13 $/€ auf 1,06 $/€ im Juni gesunken. Im Juli wurde dann ein neuer Tiefstand mit 1,02 $/€ erreicht.
  • Durch den schwächeren Euro werden die in US-Dollar gehandelten Rohstoffe für die deutsche Wirtschaft verhältnismäßig teurer.

Berechnungslogik, Methodik und Vorteile des MPIs

Um untersuchen zu können, wie sich Preissteigerungen auf dem Beschaffungsmarkt auf den deutschen Mittelstand auswirken, muss zuallererst ein „typischer” Einkaufskorb abgebildet werden.
Über die Volumen, die importiert, exportiert und produziert werden, wurde im ersten Schritt ein Schätzer für den Verbrauch von Rohstoffen entwickelt. Über die selektive Auswahl an relevanten Branchen, den Einsatz unserer eigenen Datenbank und den bewussten Ausschluss von Großindustrie-spezifischen Verbrauchsgütern war es möglich, einen gewichteten, typischen, auf Rohstoffe und relevante Dienstleistungen abgestellten „Einkaufskorb” abzuleiten.
Was dann noch zur Berechnung des MEPI fehlt, ist die um Währungseffekte bereinigte Preisentwicklung des Einkaufskorbs. Basis dafür sind die aus der Rohstoffdatenbank der World Bank ermittelten Preisindizes.

MEPI im Vergleich zu anderen Indizes

Während Erzeugerpreis- und HVPI aus Sicht der Industrie eher outputorientiert sind, gibt der MEPI eine Indikation der Entwicklung von inputrelevanten Faktoren.

  • Tendenziell ist die Entwicklung von Erzeugerpreisen und HVPI nachgelagert zu der des MEPI. Mit anderen Worten ist davon auszugehen, dass in der Tendenz auch etwas rückläufige Erzeugerpreise in den kommenden Wochen zu erwarten sind.
  • Der Wertverfall des Euros gegenüber dem Dollar führte zu einer überproportionalen Preisentwicklung von Importware nach Deutschland. Entsprechend schlägt der, um Währungseffekte adjustierte MEPI in Euro, im Jahresverlauf stärker aus. Per Juli 2022 ist der Währungseffekt auf 26,9% angewachsen (26,9% Teuerung seit 2014 nur durch Währungseffekte getrieben).

Erzeugerpreisindex und HVPI sind nicht so sensitiv wie der MEPI und verharren im Juli auf Allzeithoch.


Georgiy Michailov
Managing Partner
Dipl.-Volkswirt, B.M. (TSUoE)
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