08. April 2019

Spreu und Weizen. Wie sich KMU-Automobilzulieferer auf die Megatrends einstellen (sollten).

Autor

Marc-René Faerber
Laura Hoffmeister

Kategorien

Business-Blog

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Was bedeuten diese Megatrends kurz- und mittelfristig für die Wertschöpfung von KMU, die 83 % der Automobilzulieferer ausmachen?

1. Technologieführerschaft und Innovationskraft im Kontext der relevanten Megatrends

Unternehmer müssen sich sehr genau überlegen, welchen Beitrag ihr Unternehmen im Markt der Zukunft leisten kann. Ein strukturierter Strategieprozess greift bestehende und mögliche neue Leistungsangebote auf und definiert explizite Maßnahmenpakete. Dabei gibt es für die „bedrohten“ Technologie-Cluster, wie zum Beispiel „Powertrain“, grundsätzlich folgende Handlungsoptionen:

  • Übertragung von Lösungskompetenzen auf „fremde“ Anwendungen, Märkte oder Branchen
  • brancheninterne Kompetenzerweiterung
  • gezielte Expansion
  • kontrollierter Exit
     

2. Der Verankerungsgrad der strategischen Partnerschaft mit OEM

Der Trend zur Modularisierung hält weiter an. Dadurch steigt für Zulieferer die Notwendigkeit, vom Teilelieferanten zum Modul- bzw. Systemlieferanten zu werden. Der technologische Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb – auch als Entwicklungspartner für den OEM – kann hier den entscheidenden Vorteil bringen und ein Differenzierungsmerkmal darstellen (mit positivem Effekt vor allem auf das Pricing und die geringere Austauschbarkeit des Zulieferers).

3. Kritische Größe im relevanten Segment

In Zusammenhang mit der strategischen Partnerschaft mit OEM steht auch die Unternehmensgröße (und damit einhergehend der gestalterische Handlungsspielraum), um die relevanten Entwicklungsschritte bei Technologie, Wachstumsbeherrschung oder dem Aufbau von Werken in der Nähe der globalen Standorte der OEM zu leisten. Auch für Nischenanbieter ist in diesem Zusammenhang die relative kritische Unternehmensgröße ein wesentlicher Faktor des zukünftigen Fortbestehens im strategischen Produktionsnetzwerk der OEM.

4. Flexible und hocheffiziente Wertschöpfung

Unternehmen müssen sich einerseits auf ein vorzeitiges Wegfallen alter Wertschöpfung vorbereiten, andererseits in neue Produktionstechnologien investieren. Die flexible Gestaltung der Produktionskapazitäten kann dabei beispielsweise durch skalierbare Fertigungsinseln und modulare Investitionen in neue Fertigungstechnologien erreicht werden. Notwendige Investitionen umfassen dabei auch die Digitalisierung der Supply Chain – vor allem in Richtung der OEM.

5. Gesicherte Finanzierung

Der schwer einschätzbare Technologiewandel erschwert die Finanzierung zukunftsorientierter Investitionen, da ein klassischer Return on Investment aufgrund der Unsicherheit schwer kalkulierbar ist. Der frühzeitige Aufbau einer klug strukturierten Finanzierung, die schon vorausschauend unterschiedliche Szenarien berücksichtigt, ist daher wesentlicher Erfolgsfaktor für das Fortbestehen mittelständischer Automobilzulieferer.

Für KMU ist es also existenziell wichtig, die Auswirkungen des anstehenden Umbruchs auf ihr Geschäftsmodell zu antizipieren und strategisch zu reagieren. So haben KMU die Chance, dem Strukturwandel nicht nur standzuhalten, sondern diesen für sich zu nutzen und sich weiterzuentwickeln.


Studie Kurzfassung


Marc-René Faerber
Managing Partner
Dipl.-Wirtsch.-Ing., EMCCC (Insead)
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Laura Hoffmeister
Project Manager
Dipl.-Wi.-Ing.

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