„Exposition ist Mut zur Wahrheit im eigenen Takt.“
Wie geht man mit Erfahrungen um, die das eigene Leben tief erschüttern? Traumatisierungen gehören zu den schwerwiegendsten seelischen Verletzungen, die ein Mensch erleben kann – und dennoch wird der Begriff heute inflationär verwendet. Zwischen Triggerwarnungen auf Social Media verschwimmt die Grenze zwischen tatsächlichem Trauma und gefühlter Überforderung. Doch wer echte Traumafolgestörungen verstehen will, muss die bewusste Auseinandersetzung suchen: Was ist das traumatische Erlebnis – und wie findet man den Weg zurück zu einem stabilen Ich?
„Der größte Mythos: Wer psychisch krank ist, ist selbst schuld.“
Prof. Dr. Dr. Frank Schneider ist einer der führenden Trauma-Experten in Deutschland und emeritierter Professor für Psychiatrie und Psychotherapie. Im Gespräch mit Georgiy Michailov erklärt er, warum ein Trauma nicht allein durch das Ereignis entsteht, sondern durch die Kombination mit Krankheitsanzeichen. Er erläutert, wie Expositionstherapie funktioniert und wie traumatische Erlebnisse mit einem neuen Orts- und Zeitstempel belegt werden können. Um so den Weg der Heilung zu meistern.
„Selbstmitgefühl ist der erste Schritt aus dem Gefängnis der Scham.“
Im Gespräch geht es außerdem um Werte als Fixsterne in der Dunkelheit, um posttraumatische Reifung – und um die zentrale Rolle stabiler Beziehungen für die mentale Gesundheit. Schneider spricht über die Grenzen von Medikamenten, die Kraft der Verhaltenstherapie und über das, was Menschen auch nach extremen Erfahrungen wieder Hoffnung gibt.