Dies bedeute in der Praxis vor allem, ein Umfeld zu schaffen, das dies ermögliche. Eine Führungsposition dürfe man nicht nur als Belohnung, als Titel für Geleistetes verstehen, sondern als Verantwortung, der es gerecht zu werden gelte.
Es reiche nicht, Aufträge zu formulieren und Aufgaben zu verteilen – nein, man müsse die Menschen in die Lage versetzen, diese Aufgaben dann auch zu meistern.
Wolfgang war viele Jahre lang Professor an der Universität St. Gallen, bevor er sich selbstständig machte und die JENEWEIN AG gründete, eine Beratung für Fragen der Führung und Unternehmenskultur. Er hat viele Konzerne von innen gesehen, weiß, was funktioniert und was nicht. Zu seinen Referenzen in der Wirtschaft zählen ABB, BMW, Julius Bär und VW. Er ist gefragt als Coach, hält weltweit Vorlesungen, schreibt regelmäßig für den „Harvard Business manager“ oder den „Focus“.
Schwierig sei Führung in der Gegenwart, so Wolfgang, weil das Umfeld, in dem Unternehmen und Topmanager sich bewegten, sich so drastisch verändert habe.
In der Tat war Führung lange Zeit transaktional. Ein Chef fordert Leistung von seiner Mannschaft. Den Untergebenen winkt im Gegenzug ein materieller Nutzen (ein höheres Gehalt, ein Bonus) oder ein sichtbar höherer Status (ein Titel, das größere Büro, Fliegen in der Business-Class).
Transaktionale Führung führe zu guter Leistung, zu besserer Performance, sagt Jenewein. Sie helfe aber wenig, wenn Menschen mitdenken sollten, wenn sie sich mehr einbringen sollten – etwa bei der Frage, wie ihr Unternehmen in der dynamischen Welt von heute überleben oder diese gar selbst prägen könne.
Nötig sei dafür eine transformationale Führung. Eine Führung, die Menschen befähige, ihre Stärken sehe und diese im Sinne der Unternehmensziele aktiviere.
Damit dies gelinge, brauche es Klarheit in der Geschäftsleitung, was denn eigentlich ihre Ziele, ihre Ambition, ihre Vision seien. Diese gelte es dann partizipativ mit vielen Menschen aus dem Unternehmen weiterzuentwickeln.
In diesem Zusammenhang unterscheidet Wolfgang zwischen dem „Warum“ und dem „Wozu“. Zur Illustration verwendet er sehr gerne dieses Beispiel: