Viele Menschen verstehen diesen Spruch als Ansporn. Für Eidenschink erhebt der Satz hingegen einen Anspruch, an dem wir letztlich scheitern müssen – was nur in Frustration münden kann. Denn natürlich geht es immer noch besser.
Im Übrigen liefert uns das Streben nach einem Ideal natürlich einen wunderbaren Grund, uns nicht mit unseren Ängsten, unserer Scham, unseren Komplexen zu befassen. Wir müssen ja noch ins Gym, auf die Konferenz, zum nächsten Städtetrip.
An die Stelle der Selbstakzeptanz trete zunehmend die Selbstberauschung, so Eidenschink. Die Menschen fragten sich heute ständig, wer sie sein sollten – nicht, wer sie seien oder was sie selbst möchten. Dabei wäre es vielleicht besser, unser Innerstes zu erforschen und unsere wirklichen Bedürfnisse zu erkennen.
Eidenschink spricht in diesem Zusammenhang von sechs Grundbedürfnissen:
- Nähe und Distanz,
- Freiheit und Sicherheit,
Einzigartigkeit und Zugehörigkeit.
Bedürfnisse widersprechen sich zum Teil. Wer eine Beziehung eingeht, der kann nur bedingt Distanz halten. Wer frei sein will, muss mit Unsicherheiten leben.
Zum Umgang mit Bedürfnissen gehört es daher, mit frustrierenden Situationen leben zu können. Auszuhalten, dass ich nicht alles kriege. Eidenschink spricht von Frustrationstoleranz oder auch Frustrationskompetenz.
Ein anderer Schluss aus der Widersprüchlichkeit von Bedürfnissen ist, dass wir sie ständig aufs Neue ausbalancieren müssen. Daher zieht es Eidenschink auch vor, von einer Regulation unserer Bedürfnisse zu sprechen statt von ihrer Befriedigung.
Zusammen sprachen wir über das Leben im Moment anstelle des Abhakens einer Bucket List, über Nietzsche und vieles mehr. Wieder einmal erwies sich Eidenschink als wahrhaft unabhängiger Denker, der wirklich versucht, zum Kern der Dinge vorzudringen, und selbst den Anspruch erfüllt, den er an einen guten Coach stellt: