Wiederholung macht den Meister

Autor

Georgiy Michailov

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Wie entwickeln wir wahre mentale Stärke?

Wie schafft es ein Sportler, bei Olympischen Spielen auf den Punkt fit zu sein? Auf den Tag genau seine beste Leistung zu zeigen?

Was braucht ein Vorstand, der in einem Unternehmen eine schwierige Entscheidung treffen muss?

In solchen Momenten bedarf es einer großen inneren Kraft. Es reicht nicht, talentiert oder gut vorbereitet zu sein. Auch hohe Ziele helfen wenig, denn die haben fast alle. Nein, es braucht zudem die Fähigkeit, die Umstände auszublenden, sich auf die Aufgabe und sich selbst konzentrieren zu können. 

Was mentale Stärke ausmacht, wie wir sie aufbauen und festigen können, das ist das Lebensthema von Antje Heimsoeth. Sie ist eine der Top-Mental-Coaches in Deutschland. Über die Jahre hat sie rund 600 Unternehmen beraten, 3.500 Vorträge gehalten und rund 800.000 Menschen ihre Erkenntnisse nähergebracht. 

Zudem hat sie gut ein Dutzend Bücher publiziert, zuletzt „111 Leadership Hacks: Effektive Techniken, wie Sie mit mentaler Stärke und Resilienz erfolgreich führen“. 

Vorstände, Mittelständler, Politiker und vor allem Sportler greifen immer wieder auf Antjes Tipps zurück. Zu ihren Klienten zählen Sieger und Teilnehmer bei Olympia oder Weltmeisterschaften, ganze Teams und auch Trainer. Umgekehrt zieht sie gerne Beispiele aus dem Sport heran, um ihre Ratschläge zu veranschaulichen. 

In einem Gespräch für die „SMP LeaderTalks“ nannte Antje kürzlich ein paar Punkte, die ich hilfreich finde, um an der eigenen mentalen Stärke zu arbeiten. Sie lassen sich leicht in den eigenen Alltag übernehmen.

Starke innere Bilder: Eine möglichst konkrete, positive Vorstellung dessen, wonach wir streben, ist in Antjes Augen wichtiger als zum Beispiel Willenskraft. Der beste Wille nütze wenig, wenn in unserem Kopf immer wieder negative Bilder oder Gedanken auftauchten.

Ziele: Gemeint ist, eine Idee davon zu haben, wo ich heute stehe, wo ich morgen sein möchte und wie ich dorthin gelange. Dazu gehört eine Analyse, welche Hindernisse auf dem Weg liegen – und welche Ressourcen uns helfen könnten, sie zu überwinden. Sind es Informationen? Fähigkeiten? Training? Ein mentaler Trick? 

Leidenschaft: Talent ist eine wichtige Voraussetzung, doch gerade im Sport ist es noch wichtiger, ständig zu üben, stets noch mehr und noch härter zu trainieren als die anderen. Man kann es Hartnäckigkeit nennen, Ausdauer, aber am Ende ist es vor allem die Bereitschaft, den Preis des Erfolgs zu bezahlen, zum Beispiel in Form langer Trainingstage, des Verzichts auf Feiern und Genussmittel, des Verpassens von Festen oder Geburtstagen. Führen Sie sich vor Augen, welchen Preis der Erfolg Ihnen abverlangen wird – und beantworten Sie so ehrlich wie möglich die Frage, ob Sie dazu tatsächlich bereit sind. 

Erfolgstagebuch: Leider bleiben Zweifel, negative Eindrücke und schlechte Erfahrungen häufig stärker im Hirn hängen als das, was gut läuft. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt Antje, täglich festzuhalten, was wir gut geschafft haben und wo wir noch Ansatzpunkte für weitere Verbesserungen sehen. Dies schriftlich zu tun, spiele eine große Rolle, denn das Niederschreiben bringe das Innere ins Äußere.

Produktive Selbstgespräche: Eine ähnliche Funktion könne es haben, mit sich selbst zu sprechen, sich selbst laut zu fragen, was gut gelungen sei – und was wir brauchen, um noch besser zu werden oder an Stärke zu gewinnen. Für Antje macht es einen Unterschied, ob wir etwas nur denken oder ob wir ihm eine Form geben, ihm wahrnehmbar Ausdruck verleihen.

Neuroplastizität: Ein zentrales Element bei Antjes Hinweis, Ziele, Ideen und Erreichtes zu notieren oder auszusprechen, ist die Wiederholung. Je häufiger wir etwas tun, desto mehr prägt es sich uns ein. Und zwar wortwörtlich: Zeit unseres Lebens bildet unser Gehirn neue Synapsen. Wird eine neuronale Verbindung öfter, ja regelmäßig genutzt wird, wird sie mit der Zeit stabiler und stärker. Diese bemerkenswerte Eigenschaft nennt sich „Neuroplastizität“. 

In der Praxis bedeutet das: Wer sich seine Erfolge immer wieder vor Augen ruft, wer Neues trainiert, der verändert sein Gehirn, sein Denken und sein Fühlen. 

Stärken stärken: Der verbindende Gedanke hinter vielen von Antjes Hinweisen ist das Prinzip, die eigenen Stärken zu stärken. Natürlich sei es nützlich, an Defiziten zu arbeiten und schlechte Gewohnheiten zu ändern, aber wir sollten nicht ständig das Negative sehen. Wichtiger sei das Neue, das Positive, das Erreichte, sagt sie, und es brauche Wiederholungen, damit aus einem zaghaften Versuch erst ein Trampelpfad und später ein breiter, stabiler Weg werde. 

Antje ist grundsätzlich überzeugt: Viele Menschen könnten weit mehr erreichen, als sie selbst für möglich hielten. Sie sagt zudem: 

„Der Kern mentaler Stärke liegt in der Selbstverantwortung.“

Antje plädiert dafür, dass wir die Verantwortung für unser persönliches Glück nicht der Welt, unserem Arbeitgeber oder dem Staat zuschreiben. Am Ende seien es wir selbst, die unser Leben gestalteten. 

Natürlich können wir nicht ändern, was draußen in der Welt alles geschieht, aber wir können ändern, wie wir damit umgehen. Und wir können entscheiden, mit welcher inneren Haltung wir der Welt begegnen. Darin liegt eine große Kraft. 

Wer sich bei dieser Haltung an den Stoizismus oder das Denken des KZ-Überlebenden und Psychologen Viktor Frankl erinnert fühlt, der liegt sicher nicht verkehrt. Ich jedenfalls fühle mich beidem sehr nahe – und bin überzeugt, dass das Wissen um die eigenen Möglichkeiten einem stets aufs Neue hilft, den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. 

Der passende SMP LeaderTalk zum Thema:

31. Dezember 2025

SMP LeaderTalks

#126 | Trotz Zweifel mentale Stärke stärken - Georgiy Michailov trifft Antje Heimsoeth

„Der Erfolg beginnt zwischen den Ohren.“  

Georgiy Michailov Managing Partner Dipl.-Volkswirt, B.M. (TSUoE)

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