SMP LeaderTalks

#136 | Der gefährliche Digitalismus

SMP LeaderTalks

11. März 2026

Georgiy Michailov trifft Wolf Lotter

Über kritisches Denken, künstliche Intelligenz und Aufmerksamkeitsökonomie.

1 h 12 Min

„Informationen werden erst durch Menschen zu Wissen.“

Künstliche Intelligenz schreibt Gedichte, analysiert Daten, erstellt Strategien. Wissen scheint jederzeit verfügbar, Antworten wirken plausibel, professionell, überzeugend. Doch was, wenn wir Information mit Wissen verwechseln? Wenn Effizienz zur Ideologie wird? Wenn wir beginnen, Maschinen nicht als Werkzeuge zu begreifen, sondern als Instanzen, denen wir blind folgen? Die spannende Frage lautet nicht, was KI kann. Sondern was wir verlernen, wenn wir aufhören, selbst zu denken.

„Maschinen erkennen Muster. Menschen erkennen Bedeutung.“

Wolf Lotter, Publizist und Vordenker der Wissensökonomie, ordnet die aktuelle KI-Debatte historisch und ökonomisch ein. Er unterscheidet zwischen Digitalisierung als Werkzeug und „Digitalismus“ als Ideologie. Für ihn ist KI keine Disruption, sondern die konsequente Fortsetzung der Automatisierung. Im Gespräch mit Georgiy Michailov geht es um das Produktivitätsparadoxon der Digitalisierung, um Homeoffice-Debatten, politische Reformunfähigkeit und warum Aufmerksamkeit zur Ware geworden ist. 

Zur Person

Wolf Lotter

Wolf Lotter ist seit den 1980er-Jahren Autor und Journalist mit dem Schwerpunkt Transformation und Innovation. Nach einer Buchhändlerausbildung studierte er in Wien Geschichte, Kommunikationswissenschaften und Kulturelles Management. 1999 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Wirtschaftsmagazins „brand eins“, das er als Leitessayist und langjähriger Verantwortlicher für Schwerpunkte und Entwicklung maßgeblich prägte. Seine Texte beschäftigen sich mit Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft, Künstlicher Intelligenz sowie dem Wandel von Arbeit und Wissenskultur. Seit 2020 veröffentlicht er die Kolumne „Lotters Transformator“ bei tazFuturZwei und ist zudem ein gefragter Keynote-Speaker; seine Bücher gelten als wichtige Grundsatzwerke zu Innovation und Transformation.

Mehr zur Person

Digital Erwachsen

In seinem Buch plädiert Wolf Lotter dafür, die Blackbox „Digitalisierung“ kritisch zu durchdringen, bevor sie zur Büchse der Pandora wird. Entscheidend ist für ihn nicht, ob wir technologisch mithalten, sondern ob wir gelernt haben, erwachsen und reflektiert mit digitalen Werkzeugen umzugehen. Er stellt unbequeme Fragen nach dem Drang zur Automatisierung, nach den tatsächlichen Fähigkeiten von Computern und nach den alten Denkmustern, an denen wir trotz neuer Technologien festhalten. Lotter widerspricht den populären Visionen einer mühelosen Digitalisierung und warnt vor Abhängigkeit und Ohnmacht. Seine zentrale Botschaft: Nicht Maschinen, sondern Menschen denken, entscheiden und handeln. Technik kann sie lediglich unterstützen. Das Buch hilft, digitale Fakten von Mythen und Übertreibungen zu unterscheiden, und ermutigt dazu, neue Technologien selbstbewusst und verantwortungsvoll zu nutzen.

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