„Uns ist verloren gegangen, einzuordnen, wann ein Symptom ernst zu nehmen ist.“
Viele Menschen stehen heute zwischen zwei Extremen: Die einen gehen wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt, die anderen vermeiden medizinische Hilfe selbst bei ernsthaften Symptomen. Gleichzeitig wächst der Eindruck, dass Medizin immer technischer wird: mit immer mehr Diagnostik, immer mehr Tests und immer mehr Daten. Dr. Marlene Heckl kritisiert genau diese Art der Überdiagnostik.
„Es gibt Untersuchungen, die nicht unbedingt notwendig gewesen wären.“
Heckl ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und kennt aus ihrer täglichen Arbeit die strukturellen Probleme unseres Gesundheitssystems. Und sie kritisiert genau diese Art an Überdiagnostik. Im Gespräch mit Georgiy Michailov geht es neben überdiagnostizierten Krankheiten um die Probleme, die unser Gesundheitssystem mit sich bringt, die Grenzen von Früherkennung und den Einfluss von KI auf die Medizin. Außerdem sprechen sie darüber, wie Ärzte bessere Gespräche mit Patienten führen können.