SMP LeaderTalks

#163 | Süchtig nach Konsum?

SMP LeaderTalks

16. September 2026

Georgiy Michailov trifft Carl Tillessen

Über Konsumpsychologie, Status und Ausbeutung.

1h 09 Min

„Von dem Preis, den wir im Laden bezahlen, landen nur zwei Prozent bei den Menschen, die die Dinge herstellen.“

Ein T-Shirt für drei Euro und Wohnaccessoires für unter zwei Euro: Wie kann das sein? Carl Tillessen kennt die Antwort – und sie hat wenig mit den Fabriken in Fernost zu tun und viel mit uns selbst. Warum verlieren wir beim Griff zum Billigprodukt so schnell das schlechte Gewissen, das wir eigentlich verspüren?

„Ich stelle in meinem Buch die These auf, dass unser Konsum suchtartige Züge angenommen hat.“

Carl Tillessen, Trendforscher und Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI), hat mit seinem Buch „Konsum. Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen“ die eigene Branche schonungslos seziert. Im Gespräch mit Georgiy Michailov erklärt er, warum unser Gehirn beim Ein-Euro-Artikel den Preisschmerz komplett ausschaltet, wie der Lockdown unsere Beziehung zu Besitz verändert hat und weshalb der wirksamere Hebel für nachhaltigeren Konsum nicht der Preis, sondern der soziale Druck ist.

Zur Person

Carl Tillessen

Carl Tillessen kommt selbst aus der Modeindustrie. Er gründete 1997 das Berliner Modelabel FIRMA, das er 17 Jahre lang als Creative Director und Geschäftsführer leitete – mit weltweit vertriebenen Kollektionen, sechs eigenen Stores, einer eigenen E-Commerce-Plattform und einer Kosmetiklinie. Heute ist er Trendforscher und seit Dezember 2024 Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. Mit „Konsum. Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen“ legte er eine vielbeachtete Abrechnung mit der eigenen Branche vor, deren Grundthese er bis heute für gültig hält – auch wenn sich mit dem europäischen Lieferkettengesetz seither erstmals ein politisches Problembewusstsein entwickelt hat. Im Gespräch mit Georgiy Michailov erklärt er, warum die Corona-Lockdowns zum größten kollektiven Konsum-Experiment unserer Zeit wurden.

Mehr zur Person

Konsum. Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen.

In „Konsum. Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen“ analysiert Carl Tillessen die Psychologie hinter unserem Kaufverhalten: von der Dopamin-Ausschüttung beim Griff zur Handtasche bis zur Zwei-Prozent-Marge, die tatsächlich bei den Näherinnen am anderen Ende der Lieferkette ankommt. Ursprünglich unter dem Titel „Must Have“ bei HarperCollins erschienen, macht das Buch anhand von Studien, Zahlen und eigenen Brancheneinblicken sichtbar, warum nicht mehr das Brauchen, sondern das bloße Wollen zum Motor unserer Wirtschaft geworden ist und was jeder Einzelne mit diesem Wissen anfangen kann.

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