SMP LeaderTalks

#166| Elitennetzwerk Deutschland AG

SMP LeaderTalks

7. Oktober 2026

Georgiy Michailov trifft Konstantin Richter

Über Wirtschaftswunder, Rohstoffarmut und Industriepolitik.

0h 52 Min

„Mein Buch ist nicht nostalgisch.“

Über Jahrzehnte lenkte ein enges Netzwerk aus Bankern, Industriellen und Managern die deutsche Wirtschaft – informell, aber wirkungsvoll. Schon 1909 prägte der Publizist Walther Rathenau dafür ein Bild, das bis heute nachhallt: 300 Männer, die über die wirtschaftlichen Geschicke des Landes bestimmen. Wer waren diese Männer wirklich? Wie funktionierte ein System, in dem Deutsche Bank, Siemens und Co. sich über Aktienpakete und Aufsichtsratsposten gegenseitig kontrollierten und was ist von dieser sogenannten Deutschland AG übrig geblieben?

„Ich kann nur sagen, dass das Interesse an der deutschen Wirtschaft extrem gesunken ist.“

Konstantin Richter ist Journalist und wurde für sein Buch „Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026 ausgezeichnet. Er hat der deutschen Wirtschaftselite damit ein literarisches Denkmal gesetzt – ohne sie zu verklären. Im Gespräch mit Georgiy Michailov erklärt er, wie sich Unternehmer im Nationalsozialismus wirklich verhielten, warum die Deutschland AG in den 1990er-Jahren zerfiel und weshalb internationale Fonds wie BlackRock die alten Netzwerke nicht ersetzen können.

Zur Person

Konstantin Richter

Konstantin Richter lebt als freier Autor in Berlin. Er arbeitete u. a. als Reporter für die Columbia Journalism Review in New York und die Cambodia Daily in Phnom Penh, war Management-Korrespondent des Wall Street Journal in Brüssel und schrieb zudem für The Guardian, The New York Times und Die Zeit. Neben zwei Romanen „Bettermann“ (2007) und „Die Kanzlerin. Eine Fiktion“ (2017) veröffentlichte er 2025 sein erstes Sachbuch „Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ (Suhrkamp), für das er 2026 mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde. Im Gespräch mit Georgiy Michailov erklärt er, warum sein Buch bewusst nicht nostalgisch ist und was die deutsche Wirtschaft heute von den alten Netzwerken lernen kann.

Zur Person

Dreihundert Männer – Aufstieg und Fall der Deutschland AG

Ein Netzwerk aus 300 Männern soll jahrzehntelang die deutsche Wirtschaft gelenkt haben: Konstantin Richter erzählt in „Dreihundert Männer“, wie die Deutschland AG aus Deutscher Bank, Siemens, BASF und Co. entstand, durch zwei Weltkriege und den Nationalsozialismus hindurch fortbestand und in den 1990er-Jahren schließlich zerfiel. Die Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2026 lobte, wie Richter „in kunstvoller Montage“ darstelle, wie das Netzwerk der 300 Männer „auf persönlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene Deutschland geprägt hat“. Richter erzählt keine nostalgische Heldengeschichte, sondern legt offen, woran es den 300 Männern am Ende fehlte: an neuen Ideen, an Mut und an Stimmen, die nicht ins eigene Bild passten.

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