„Mein Buch ist nicht nostalgisch.“
Über Jahrzehnte lenkte ein enges Netzwerk aus Bankern, Industriellen und Managern die deutsche Wirtschaft – informell, aber wirkungsvoll. Schon 1909 prägte der Publizist Walther Rathenau dafür ein Bild, das bis heute nachhallt: 300 Männer, die über die wirtschaftlichen Geschicke des Landes bestimmen. Wer waren diese Männer wirklich? Wie funktionierte ein System, in dem Deutsche Bank, Siemens und Co. sich über Aktienpakete und Aufsichtsratsposten gegenseitig kontrollierten und was ist von dieser sogenannten Deutschland AG übrig geblieben?
„Ich kann nur sagen, dass das Interesse an der deutschen Wirtschaft extrem gesunken ist.“
Konstantin Richter ist Journalist und wurde für sein Buch „Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2026 ausgezeichnet. Er hat der deutschen Wirtschaftselite damit ein literarisches Denkmal gesetzt – ohne sie zu verklären. Im Gespräch mit Georgiy Michailov erklärt er, wie sich Unternehmer im Nationalsozialismus wirklich verhielten, warum die Deutschland AG in den 1990er-Jahren zerfiel und weshalb internationale Fonds wie BlackRock die alten Netzwerke nicht ersetzen können.